„Wir sind heute hier versammelt, um an ein Ereignis zu erinnern, das vor fast 80 Jahren die Welt in Atem hielt und das Schicksal einer Stadt, ja, eines ganzen Volkes, auf eine besondere Weise prägte. Wir gedenken der Berliner Luftbrücke, denn vor 76 Jahren am 27. August 1949 startete der letzte Kohleflieger von Faßberg in Richtung Berlin“, so der Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe und Standortälteste Faßberg, Oberst Dirk Niedermeier, in seinen Eröffnungsworten zur diesjährigen Gedenkfeier auf dem Platz der Luftbrücke in Faßberg.

Gemeinsam mit dem Bundeswehrstandort Faßberg hatten die Gemeinde Faßberg und der Förderverein für die Erinnerungsstätte Luftbrücke Berlin e.V. in Faßberg zu dieser Feierstunde geladen. Neben Bürgermeisterin Kerstin Speder und dem Vorsitzenden des Fördervereins, Ludger Osterkamp, waren wieder gut 50 Gäste zu dieser Gedenkfeier erschienen. Unter ihnen mit Keith Orton und Margaret Baron auch Vertreter der Royal British Legion in Bergen. „Damals war es eine Zeit, in der die Narben des Krieges noch frisch waren und sich das politische Klima rapide verschlechterte. Berlin, eine geteilte Stadt in einem geteilten Land, befand sich an der Nahtstelle zweier politischer Blöcke: dem demokratischen Westen und dem kommunistischen Osten. Die Spannungen eskalierten, als die Sowjetunion am 24. Juni 1948 alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin abriegelte und für die Menschen im westlichen Teil bedeutete dies eine Katastrophe, denn nun waren sie plötzlich von der Welt abgeschnitten“, unterstrich Niedermeier weiter.
Die Lage schien aussichtslos und der damalige Militärgouverneur Lucius D. Clay beschrieb die Situation so: „Wenn wir Berlin verlieren, dann verlieren wir Deutschland. Wenn wir Deutschland verlieren, dann verlieren wir Europa.“ So blieb als einzige Möglichkeit, die Stadt aus der Luft zu versorgen. Insgesamt flogen Briten und Amerikaner im Rahmen der Luftbrücke knapp 280.000 Flüge und brachten 2,3 Millionen Tonnen nach Berlin. „Die Luftbrücke war ein Triumph der Technik und der Logistik, aber vor allem war sie ein Zeugnis menschlichen Mutes und Opfers. Piloten, Bodencrews und Wartungspersonal riskierten täglich ihr Leben unter widrigen Wetterbedingungen, bei Nebel und Sturm, und unter den Schikanen der sowjetischen Streitkräfte, die die Flugzeuge mit Jagdmaschinen und Suchscheinwerfern bedrängten“, unterstrich der Kommandeur und schloss mit den Worten von General Clay: „Wir fliegen nicht nur Güter – wir fliegen Freiheit.“
Danach wurden die Kränze am Luftbrückengedenkstein niedergelegt und beim anschließenden Empfang im Rathaus konnten sich die Gäste intensiver zum Thema Berliner Luftbrücke austauschen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung wieder durch eine Abordnung des St.-Laurentius Posaunenchors Faßberg-Müden.
Beitragsbild: Kranzniederlegung am Luftbrückengedenkstein mit dem Kommandeur der Deutsch-Französischen Ausbildungseinrichtung TIGER, Colonel Raphaël Le Flohic, Oberstleutnant Thomas Ratajczak vom Transporthubschrauberregiment 10, Keith Orton, Ludger Osterkamp, Bürgermeisterin Kerstin Speder und Oberst Dirk Niedermeier (v.l.).
Von Paul Hicks & Foto: Carsten König (TAusbZLw)