Flight Leutnant Greg Harley spielte zum Abschluss der Gedenkveranstaltung ‚Flowers of the Forest’ vor den Kränzen und der Standarte der Royal British Legion aus Bergen-Hohne.

27.08.2026: ein ganzer Tag mit vielen Veranstaltungen

Vor genau 70 Jahren übergab die Royal Air Force den Fliegerhorst Faßberg an die neu aufgestellte deutsche Luftwaffe. Gleichzeitig jährte sich in 2026 der letzte Flug der Luftbrücke Faßberg – Berlin zum 77. Mal.

Zu diesem besonderen Anlass hatten der Bundeswehrstandort Faßberg, die Gemeinde Faßberg und der Förderverein für die Erinnerungsstätte Luftbrücke Berlin e.V. in Faßberg zu einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung auf den Platz der Luftbrücke im Herzen der Gemeinde eingeladen.

Bürgermeisterin Kerstin Speder während der Ansprache auf dem Platz der Luftbrücke in Faßberg.
Bürgermeisterin Kerstin Speder während der Ansprache auf dem Platz der Luftbrücke in Faßberg.
Foto: Carsten König, TAusbZLw

In diesem Jahr war es an der Bürgermeisterin der Gemeinde Faßberg, Kerstin Speder, die Gedenkrede zu halten. „Heute stehen wir hier in Faßberg an einem Ort, an dem Geschichte nicht nur aufgeschrieben wurde. Hier wurde Geschichte erlebt. Daher heiße ich heute als Zeitzeugen das Ehepaar Rohde aus Berlin, Frau Ingrid Cohrs aus Wietzendorf sowie Frau Rosemarie Rosenkranz und Herrn Manfred Gerlach aus Faßberg herzlich willkommen“, so die Bürgereisterin in ihrer Eröffnung. Neben den Vertretern der Bundeswehr und des Gemeinderates konnte Speder mit Bürgermeister Joachim Rüter aus Wietzendorf und Bürgermeister Ulf-Marcus Grube aus Munster auch Bürgermeister aus der Region willkommen heißen.

Die Abordnung aus Brize Norton mit Flight Leutnant Greg Harley war gemeinsam mit den deutschen und französischen Soldaten angetreten.
Die Abordnung aus Brize Norton mit Flight Leutnant Greg Harley (l.) war gemeinsam mit den deutschen und französischen Soldaten angetreten.
Foto: Carsten König, TAusbZLw

Aus dem Vereinigten Königreich waren zudem 14 Soldaten der Royal Air Force aus Brize Norton und der Führung von Wing Commander Gareth Thomas angereist, die mit ihrer Anwesenheit die Verbundenheit zu Faßberg zum Ausdruck brachten. So waren während der Berliner Luftbrücke drei Staffeln des heutigen A400M Geschwaders an der Versorgung des blockierten Berlins aus Faßberg heraus beteiligt. Als besonderen Gast brachten die britischen Soldaten mit Flight Leutnant (Flt Lt) Greg Harley auch einen Dudelsackspieler mit, der neben dem Kammerensemble des Luftwaffenmusikkorps Erfurt die Gedenkveranstaltung musikalisch begleitete.

Stromsperre in Berlin

„Ich möchte heute nicht nur über Flugstunden, Tonnenzahlen oder logistische Meisterleistungen sprechen, sondern ich möchte über die Menschen, über deren Erlebnisse und Emotionen sprechen. Und vor allem möchte ich über diejenigen sprechen, die heute noch unter uns sind und uns erzählen können, wie sie diese Zeit als Kinder und Jugendliche erlebt haben“, betonte Kerstin Speder. „Unsere lieben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Sie spielten. Sie gingen damals zur Schule. Sie wuchsen auf. Und plötzlich war ihr Alltag ein anderer, sowohl hier in Faßberg als auch im eingeschlossenen Teil von Berlin. Die große Geschichte der Berliner Blockade und der Luftbrücke fand mitten in ihrem kleinen, ganz persönlichen Leben statt. Aber wie muss sich die Zeit für ein Kind angefühlt haben?“ Im Verlauf ihrer Rede ging Speder auf die Erinnerungen von Dieter Kermas aus Berlin ein, den die Bürgermeisterin beim Flugplatzfest in Berlin-Gatow kennenlernen durfte. Wie sich das Leben schon vor der Blockade anfühlte, beschreibt Kermas mit einem einzigen Wort: „Stromsperre! Denn eine Stromsperre bedeutete nicht einfach, dass für ein paar Stunden das Licht ausging. Sie bedeutete Dunkelheit, kaltes Essen, ein schweigendes Radio – damals eine der wichtigsten Verbindungen zur Außenwelt. Patienten mussten bei dem Licht einer Karbidlampe behandelt werden. Und selbst beim Zahnarzt wurde die Bohrmaschine mit einem Fußpedal in Bewegung versetzt. Es bedeutet Einschränkungen in praktisch allen Bereichen des täglichen Lebens und Anfangs gab es Elektrizität teilweise nur zwei Stunden am Tag. Strom wurde streng rationiert. In der Küche, im Labor und im Behandlungszimmer brannten Gaslampen, die ein, wie Dieter Kermas schreibt, „grünliches unangenehmes Licht“ verbreiteten. Damals war Strom keine Selbstverständlichkeit“, unterstrich die Bürgermeisterin in ihrer bewegenden Ansprache und schloss mit den Worten, dass die Luftbrücke nicht nur eine logistische Meisterleistung der Alliierten war. Sie war für die Menschen in Berlin ein Versprechen: Ihr seid nicht allein. Wir lassen euch nicht im Stich“.

Übergabe Fliegerhorst

Nach der Kranzniederlegung gab es im Luftbrückenmuseum Faßberg einen Empfang, bei dem der Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe und Standortälteste Faßberg, Oberst Michael Seyda, die Gäste willkommen hieß und in seinen Worten auf die Übergabe des Fliegerhorstes von der Royal Air Force an die neu aufgestellte Luftwaffe einging. „Wichtiger als die formelle Übergabe des Platzes war die Tatsache, dass man den Deutschen nicht nur zugestand, wieder einen Flugplatz in Eigenregie zu betreiben, sondern dass man den Deutschen wieder Vertrauen entgegenbrachte. Diese Erkenntnis reifte sicherlich auch während der Zusammenarbeit bei der Berliner Luftbrücke in den Jahren 1948/49, als Deutsche und Briten gemeinsam mit den Amerikanern hier in Faßberg Hand-in-Hand arbeiteten, um das blockierte Berlin am Leben zu halten. Man sah Deutschland im Jahr 1956 mittlerweile als stabil genug, um es in den Reigen der demokratischen Gemeinschaft aufzunehmen“, so der Kommandeur.

Oberst Michael Seyda konnte auch den Kommandeur der Unterstützungsverbände im Luftwaffenkommando der Bundeswehr, Oberst i.G. Dr.-Ing. Wolfgang Smeets zu den Feierlichkeiten begrüßen.
Oberst Michael Seyda (r.) konnte auch den Kommandeur der Unterstützungsverbände im Luftwaffenkommando der Bundeswehr, Oberst i.G. Dr.-Ing. Wolfgang Smeets zu den Feierlichkeiten begrüßen.
Foto: Carsten König, TAusbZLw

So sei das heutige Gesicht des Fliegerhorstes Faßberg ein deutlich anderes als es vor 70 Jahren war und auch die Bundeswehr hat ihr Erscheinungsbild merklich verändert. „Das sehen wir nicht zuletzt an der Uniform – vom damaligen Olivgrün bis zum heutigen Fleckentarn“. Der Wandel von der einstigen Armee der Landesverteidigung über eine Bundeswehr im Auslandseinsatz und nun wieder zurück zur Bündnis- und Landesverteidigung, sei auch an Faßberg nicht spurlos vorbeigegangen. „Heute ist der Fliegerhorst mehr eine Basis der Multifunktionalität mit streitkräfteübergreifenden Anforderungen als ein klassischer Flugplatz. Die charakteristischen Aufgaben der einzelnen Teilstreitkräfte verschwimmen immer mehr, denn ohne diese Verzahnung würde eine moderne Armee nicht wirklich erfolgreich sein. Waren es vor 70 Jahren reine Luftwaffeneinheiten, die in Faßberg stationiert waren, so sind mit dem Transporthubschrauberregiment 10 ‚Lüneburger Heide‘, der Deutsch-Französischen Ausbildungseinrichtung TIGER und der VI. Inspektion des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg nun auch gewichtige Heereskontingente und Internationale Einheiten auf dem Platz, die sich bei uns wohlfühlen“, unterstrich Oberst Seyda in seinen Worten bevor Wing Commander Gareth Thomas ein kurzes Grußwort an die Gäste richtete.

RAF Brize Norton

„Es ist mir eine Ehre, heute bei Ihnen zu sein, an einem Tag, an dem zwei wichtige Jahrestage zusammenfallen: Siebzig Jahre, seitdem die Royal Air Force den Luftwaffenstützpunkt Faßberg an die neu gegründete deutsche Luftwaffe übergab und siebenundsiebzig Jahre seitdem der letzte Flug diesen Stützpunkt im Rahmen der Berliner Luftbrücke verließ. Diese Jahrestage stehen für den Krieg und seine Folgen, aber auch für Dienst, Versöhnung, Vertrauen und Freundschaft zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich.

„Die Geschichte von Faßberg ist eine Geschichte des Wandels“: Wing Commander Gareth Thomas während seiner Grußworte im Luftbrückenmuseum Faßberg.
„Die Geschichte von Faßberg ist eine Geschichte des Wandels“: Wing Commander Gareth Thomas während seiner Grußworte im Luftbrückenmuseum Faßberg.
Foto: Carsten König, TAusbZLw

Die Geschichte von Faßberg ist eine Geschichte des Wandels. In den 1930er Jahren als Militärflugplatz erbaut, 1945 von der RAF übernommen und anschließend zu einem wichtigen Stützpunkt für die Berliner Luftbrücke ausgebaut. Die Flugzeuge, die von diesen Start- und Landebahnen abhoben, transportierten Lebensmittel, Treibstoff und Kohle – aber sie transportierten auch Entschlossenheit, Zuversicht und Hoffnung. So gilt die Berliner Luftbrücke nach wie vor als eine der größten Lufttransportaktionen der Geschichte. Es handelte sich um eine groß angelegte gemeinsame Aktion, an der britische, amerikanische, französische und Commonwealth-Streitkräfte sowie deutsche zivile und kommerzielle Akteure beteiligt waren. Ihr Erfolg beruhte auf diszipliniertem Flugbetrieb, sorgfältiger Koordination, unermüdlicher Wartung und der Professionalität, die die Lufttransportstreitkräfte bis heute schätzen.

„Die spätere Übergabe des Fliegerhorstes an die Luftwaffe im Jahr 1956 markierte einen weiteren bedeutenden Schritt in dieser Geschichte. Sie spiegelte das wiederhergestellte gegenseitige Vertrauen, die geteilte Verantwortung und eine auf Partnerschaft aufbauende Zukunft wider. Auch heute noch ist diese Partnerschaft von entscheidender Bedeutung. Die Royal Air Force und die Luftwaffe sind als enge NATO-Verbündete durch gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte und gemeinsame Verantwortlichkeiten miteinander verbunden“, sagte der Wing Commander abschließend. Die offizielle Veranstaltung wurde durch Flt Lt Greg Harley mit dem Stück ‚Highland Cathedral‘ beendet.

von Paul Hicks
Fotos: Carsten König, TAusbZLw